Hessische Uhrmacherschule
Karl-Geitz-Schule


Meister- und Weiterbildungsschule für das Uhrmacherhandwerk im Hessenpark


Seminar "Lager von Großuhren reparieren"

Ende Juli fanden sich an der hessischen Uhrmacherschule in Neu-Anspach acht Uhreninteressierte ein, um etwas über die Reparatur von Lagern von Großuhren zu lernen. Vorbereitet und geleitet wurde der Kurs von den Uhrmacherschülern Oliver Hambel und Joshua Becker. Bei der Durchführung wurden sie unterstützt von Uhrmachermeister Hendrik Bernhard. Die beiden Schüler sahen sich im Vorfeld mit Vorwürfen wie „ihr verratet die Geheimnisse der Uhrmacherei!“ konfrontiert, so wie überhaupt das Seminarkonzept der Hessischen Uhrmacherschule, das sich an Uhrmacher und Laien richtet in der Fachwelt nicht ausschließlich auf Gegenliebe stößt.

Statt über die Jahrhunderte streng gehüteter Geheimnisse, erfuhren die Teilnehmer zunächst etwas über den Aufbau eines Lagers, die verwendeten Materialien und deren Vor- und Nachteile. Es wurde aber auch kurz auf die Schmierung, sowie auf Sonderfälle wie Schwarzwald- und Comtoiseuhren eingegangen.

Dann ging es an die Praxis. Bevor ein Lager ersetzt werden kann, muss zunächst der Zapfen betrachtet werden. Dabei konnten die Teilnehmer ihre Fähigkeiten beim handwerklichen Rollieren mit der Feile auf dem Steckholz erproben. Auch modernere Varianten wie Rollieren mithilfe der Uhrmacherdrehmaschine oder spezieller Rolliermaschinen wurden gezeigt. Nach ausführlicher Behandlung der Zapfen ging es schließlich an die Lager.

Hier wurde zunächst die altbewährte Variante vorgestellt: das Drehen eines Lagers auf der Uhrmacherdrehmaschine. Der Uhrmacher, früher oft ein armer Handwerker, hatte zu seinem Drehstuhl häufig weder Kreuzsupport noch Reitstock und war so ein wahrer Meister im Umgang mit dem Handdrehstichel. Neben der traditionellen Variante standen den Teilnehmern zwei KWM Geräte zum Lagersetzen zur Verfügung.

Abschließend bleibt zu sagen, dass der Kurs für alle Beteiligten ein voller Erfolg war. Es hat großen Spaß gemacht ein Wochenende unter Gleichgesinnten zu verbringen, neue Leute kennen zu lernen und voneinander zu lernen. Das Teilnehmerfeld war bunt gemischt, vom 12 jährigen Schüler (in Begleitung seines nicht minder uhreninteressierten Vaters) über einen Lastwagenfahrer, bis hin zum promovierten Materialwissenschaftler, vom noch unbeleckten Anfänger bis zum erfahrenen Uhrmachermeister war alles vertreten. Das ist ein wichtiger Teil das Seminarkonzepts an der HUS: jeder der sich für das Thema interessiert und bei uns lernen und mitmachen will ist uns gleich willkommen.

Durch diesen Kurs wurden nicht acht bastelwütige Laien auf die Fachwelt losgelassen, sondern acht Uhrenliebhaber haben interessante Einblicke in die Uhrmacherei bekommen und wissen nun was „das bisschen Uhrenputzen“ für eine zeitaufwändige Angelegenheit ist. So ist es gelungen, Wertschätzung für das Uhrmacherhandwerk zu schaffen.

Die Teilnahmebebühren wurden auch bei diesem Seminar dazu genutzt, die Werkstattausstattung der Hessischen Uhrmacherschule zu ergänzen und dauerhaft zu verbessern. Dies wird auch den nächsten Meister- und Restauratorenkursen an der HUS zu Gute kommen.

 

Hier ein paar Bilder: